Hormone in der Kindernahrung

Anfang der 80 er Jahre wurde der Östrogeskandal in der Kleinkindernahrung öffentlich -schon vergessen?

Die Diskussion um Östrogen im Fleisch hält an: Ein Bonner Staatssekretär mußte gehen, die EG lagert das unverkäufliche Kalbfleisch mit Millionenaufwand ein.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14326795.html

Der europäische Markt geriet erst in Verruf, nachdem ein Provinzrichter namens Giuseppe Mancini aus Latina südlich von Rom mit einer „Ordinanza“ generell den Verkauf von Kalbfleisch für ganz Italien untersagt hatte. Das Verbot ist inzwischen zwar aufgehoben, aber Mancini kämpft seinen Kampf ungebeugt: Vorigen Monat ordnete er an, östrogenverdächtige Kälber erschießen und danach verbrennen zu lassen. In seiner Region gilt der Richter als „il coraggioso“, der Tapfere.

 

Wolters, Facharzt für innere Medizin, hatte den mitgliederstärksten SPD-Landesverband — die Sozis von Rhein und Ruhr — gegen sich aufgebracht, weil er die Gefährlichkeit von Hormonrückständen in kalbfleischhaltiger Babykost relativiert hatte.

Nach sieben Wochen Diskussion über das synthetische Diäthylstilböstrol (DES), das überall in Europa trotz nationaler Verbote Kälbern gespritzt wird, zeigt die umstrittene Droge für das liebe Vieh Breitband-Wirkung:
* In der SPD streiten sich die für Gesundheit und für Landwirtschaft zuständigen Genossen. Während in Bonn Wolters gehen mußte, nutzte die SPD in Nordrhein-Westfalen die Hormonaffäre zur Selbstprofilierung — Agrar-Ressortchef Hans Otto Bäumer machte sich bundesweit bekannt.
* Die EG-Agrarier haben sich entschlossen, das zur Zeit wegen der Östrogen-Affäre kaum verkäufliche Kalbfleisch auf Kosten des Steuerzahlers „aus dem Markt zu nehmen“.
Überall in Europa, letzte Woche erst wieder in Baden-Württemberg, sind die Praktiken von Kalbsmästern ruchbar geworden, die das verbotene Östrogen einsetzen, um in ihren Mastfabriken die Rendite zu erhöhen (SPIEGEL 44/1980). Die amerikanische Rekordmarke ist allerdings in Europa noch nicht erreicht — in 23 US-Staaten wurden seit Ostern 435 000 Östrogen-Kälber ausgemacht.
Bis zu 20 Prozent mehr Fleisch, bei gleicher Futtermittelmenge, setzen Kälber an, wenn ihnen das Mastwunder DES, das dem weiblichen Sexualhormon chemisch verwandt ist, injiziert oder als Pellet unter die Haut eingepflanzt wird. Für die Viehhalter ist das S.132 lukrativ: durchschnittlicher Mehrerlös 80 Mark pro Kalb.
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